3D Chats - Wohin führt der Weg?

Menschen nehmen in ihrem zu Hause auf einem Stuhl Platz, der an einen Zahnarzt-Stuhl erinnert. Sie schließen sich an spezielle Gerätschaften an und werden somit zu einem "Operator". Als "Operator" kontrollieren diese Menschen ein Abbild ihrer selbst, das sie nach Belieben verändern - ein so genannter "Surrogate". Diese sehen aus wie Menschen und klingen wie Menschen. Sie tun genau das, was ihr "Operator" ihnen befiehlt. "Surrogates" sind zu alledem fähig, was reale Menschen auch leisten können; mit nur einem Unterschied: "Surrogates" empfinden keinen Schmerz.

In dem Graphic Novel "Surrogates - Mein zweites Ich" von Robert Venditti ist das Leben perfekt: Die Menschen befinden sich sicher in ihren eigenen vier Wänden. Von dort aus kontrollieren sie ihren "Surrogate", der das Leben für sie übernimmt. Die "Operator" sehen und fühlen all das, was ihre "Surrogates" ebenfalls sehen und fühlen. Es gibt keine Verbrechen, keine Kriminalität, nur Frohsinn, Kontaktfreudigkeit und Partys. Ist das die nächste Stufe nach dem 3D Chat?

Aktuell besteht ein 3D Chat aus einer vielfältigen, frei begehbaren virtuellen Welt. An einem 3D Chat kann jeder Mensch teilnehmen, der über ein elektronisches Gerät mit Internetanschluss verfügt. Denn ein 3D Chat wird meist über eine Webseite betreten. In der Regel registriert man sich dort kostenlos, erstellt einen Avatar, gestaltet diesen Avatar und nimmt mit eben diesem Avatar am virtuellen Weltgeschehen teil. Ein 3D Chat von heute bietet seinen Chat-Teilnehmern die Möglichkeit, einen Avatar zu erstellen und mit diesem den 3D Chat zu betreten. In dieser virtuellen Welt trifft man auf Mitmenschen, die über ihren Avatar mit allen anderen Chat-Teilnehmern verbunden sind. Zu jeder Zeit kann ein Avatar mit einem anderen Avatar interagieren. Dazu sind nur wenige Klicks nötig und schon können beide Chat-Teilnehmer miteinander Spiele spielen, chatten oder beides gleichzeitig. Das funktioniert sowohl in trauter Zweisamkeit als auch mit beliebig vielen anderen Chat-Teilnehmern.
Das Chatten in einem 3D Chat kann einerseits das Flirten ersetzen; das erspart Kosten und Mühen, da man einfach und bequem von zu Hause aus chatten kann. Andererseits ermöglicht das Chatten aber auch die gemeinsame Absprache bei besonders kniffligen Spielen. Das Chatten kann aber auch das Telefonieren ersetzen; denn in einem 3D Chat erreicht man mehr Freunde zur selben Zeit und nebenbei kann man chatten und spielen gleichzeitig. Hinzu kommt, dass man auch mit Chat-Teilnehmern aus aller Welt chatten kann. Die Menschen in einem 3D Chat sind über das Internet miteinander verbunden, sodass der 3D Chat weltumspannend das Chatten miteinander ermöglicht. Das Chatten ist sowohl schriftlich über Maus und Tastatur möglich als auch über Headset. Beim Chatten via Headset entstehen ebenfalls keine zusätzlichen Kosten, da der Dienst meist von dem Chat-Betreiber zur Verfügung gestellt wird.

Die Menschen in einem 3D Chat repräsentieren sich selbst über einen Avatar. Diesen Avatar können die Chat-Teilnehmer individuell gestalten; von der Körpergröße über einzelne Gesichtszüge bis hin zur modischen Erscheinung lässt sich der Avatar in der Regel nach Belieben anpassen. Mit einem solchen Avatar erschaffen die Chat-Teilnehmer ein virtuelles Abbild ihrer Selbst.

Dass der virtuelle Avatar aus dem 3D Chat in nächster Zeit zu einem realen Abbild wird, welches das gesamte Leben eines echten Menschen übernehmen kann, ist mehr als unwahrscheinlich. Zum einen ist die Technik zu einem solch großen Sprung nicht weit genug entwickelt, aber vor allem ist der Wille, den 3D Chat bis dahin weiterzuentwickeln, noch gar nicht vorhanden. Ambitionierte Projekte wie der 3D Chat aus dem Hause Google, "Lively", fanden zudem einfach nicht genug Anhänger, als dass derlei Projekte Zukunftsaussichten hätten. Dass die Menschen wie im Buch "Surrogates - Mein zweites Ich" also nur noch über Avatare miteinander kommunizieren, ist und bleibt reine Fiktion.